Mal davor
Dieses Mal wurde ich von einer Kamera gestalkt. Wir waren bei wunderschönem Wetter in Haithabu.




Dieses Mal wurde ich von einer Kamera gestalkt. Wir waren bei wunderschönem Wetter in Haithabu.




Ich gehe nicht gerne ins Theater, weil ich Neuinterpreationen mit minimalistischen Bühnen und Bezug auf zeitgenössische Themen nicht mag. Überhaupt nicht mag. Ich möchte mich einfach mal von einem King Lear erfreuen lassen, der so aufgeführt wird, wie Shakespeare ihn geschrieben hat. Aber heutzutage scheint so etwas unmöglich zu sein.
Doch wie ist das bei einem Stück, was erst junge 20 Jahre alt ist und in Island spielt?

Ich muss zugeben, ich musste mich auch erst von meiner besten Freundin und meiner Dozentin überreden lassen, mir Die kalte See von Ólafur Haukur Símonarson anzusehen, aber im Nachhinein war ich vom Abend höchst elektrisiert und erfreut. Nicht nur, dass wir vorher ein kurzes Treffen mit einer der Intendanten hatten, nein, Ólafur selbst war an diesem Abend im Schauspielhaus und hat nach der Aufführung noch eine Gesprächsrunde gehalten.
Die kalte See selbst war höchst interessant, die Bühne war ein Gitter von unterschiedlich hoch gefüllten Wasserbecken und die Aktion war sicherlich schwerer als auf einer normalen Bühne. Kurz gefasst lässt der Fischereibesitzer Thorolf alle seine Kinder zu sich kommen, da er weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Doch seine Sprösslinge wollen keineswegs weiter in der Fischerei gehen, sondern Quoten, Häuser und Schiffe verkaufen und die Alten nach Reykjavík bringen. Der Abend wird immer alkoholisierter und Geheimnisse kommen ans Licht, die sich so keiner gedacht hat.
Die Schauspieler haben sich, meiner Meinung nach, perfekt in die Rollen eingefunden, einige Szenen ließen erkennen, dass das Vorbild die Verfilmung des Stückes ist und das Wasser sorgte für ein Element auf der Bühne.
Das Gespräch nachher mit Ólafur, Regisseuren, Schauspielern war eine gute Ergänzung zum Abend, ich habe noch viel zur Theaterversion gelernt und ebenfalls, dass Isländer doch wirklich immer nett sind. Highlight des Ganzen war allerdings unser kurzes Gespräch über meine Dozentin mit Ólafur selbst, seine Autogramme etc. Leuten mit Wikipediaartikel so nah zu erleben ist immer wieder faszinierend.